ARNSTADT. Sonntag, 8. Juli. Es ist frühmorgens 5 Uhr. Auf der Hammerwiese hält ein Taxi, ein paar Leute sind versammelt. Eine Reisegruppe, kein Zweifel. Aber eine besondere. Die sich hier treffen sind AfD-Mitglieder, Freunde und Fans. Der Bundestagsabgeordnete Marcus Bühl hatte eingeladen zu seiner zweiten Reise in die Bundeshauptstadt. Jährlich kann jeder Abgeordnete über das Bundespresseamt drei Reisen für politisch interessierte Bürger nutzen. Um es gleich vorweg zu sagen: Dem dafür verantwortlichen Besucherdienst des Presse- und Informationsamtes des Bundestages muss man in Sachen Organisation und Planung ein großes Dankeschön sagen. Unser Reisebus der RBA Arnstadt wurde von Thomas Vogler gesteuert, ein erfahrener, umgänglicher und herzlicher Mann, der seinen Beruf ganz offensichtlich als Berufung empfindet. Gut für uns und seine Gäste.

Das SELECT-HOTEL nahe des Ceckpoint Charlie war Spitze, die Zimmer top, das Frühstück umfangreich und lecker. Noch vor dem Check-In am späten Nachmittag stellte sich im Bus unsere BPA-Gästebetreuerin Eva Ossevorth vor, die uns drei Tage lang begleitete. Souverän, freundlich und mit Herz für ihr Berlin. Das durchaus straffe Programm hinterließ bei allen einen tiefen Eindruck. Sogar der Anreisetag ließ schon erahnen, was wir in Berlin zu sehen bekommen würden. Nach dem Mittagessen in der kleinen Kneipe “Zur Kneipe”, großartiges Buffet, erste Stadtrundfahrt durch das quirlige Berlin. Was sich bei allen Fahrten nicht änderte, waren die ewigen Baustellen, gefühlt gibt es wohl kaum eine Straße, in der nicht gebaut wird. Was ebenso in Erinnerung bleiben wird, sind die Graffiti, die die Städte in Deutschland verschandeln, ganz besonders in Berlin. Staub und Dreck, ungepflegtes und verdorrtes Grün waren nur teilweise den hochsommerlichen Temperaturen zuzuschreiben. Was unsere Ohren ständig zu hören bekamen war ein Stimmenwirrwarr, bei dem Deutsch absolut in der Minderheit war. Man hatte den Eindruck, die Berliner selbst – man erinnere sich an Zille – machten sich rar. So sei es denn.

Der Besuch des Historischen Museums, Unter den Linden 3, war ein Ereignis, aber viel zu kurz. Die umfangreiche Präsentation durch die Geschichte hielt Interessierte in Atem, alles zu sehen – ein Ding der Unmöglichkeit. Hier könnte man sich wahrscheinlich Tage aufhalten. So entging uns nicht, daß selbst das heimische Arnstadt in dieser ständigen Ausstellung Erwähnung fand – Quartierscheine für die Franzmänner anno 1809 vom Rath zu Arnstadt. Wer hätte das gedacht? Jahre später, 1815, war der Korse geschlagen. Dank den Lützowern, …von Blücher, Körner, Clausewitz und den vielen Helden mit und ohne Bekanntheitsgrad. Der Sonntag endete mit einem Abendessen bei fleißigen Thais und mit einem Besuch des Checkpoint Charlie mit all dem Trubel von jungen Leuten, die staunend zur Kenntnis nehmen, daß Berlin einst geteilt war. Übrigens, nicht zu übersehen an der eigens gepflasterten, markanten Verlaufslinie der “Mauer” und der Mauerreste mit dem legendären „Knutscher“ zwischen Honecker und Breshnew. Das einst geteilte Deutschland, die geteilte Stadt wird gnadenlos vermarktet.

Der Montag bestach vor allem durch den Besuch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Alte Erinnerungen kamen hoch, weil an diesem BM auch im November 2015 und dieses Jahr im Mai die großen AfD-Demos vorbeiführten. Laurin Rudisch, hochgewachsen und im Presseamt des BM, versuchte die Bedeutung zu vermitteln, natürlich blieben Fragen nicht aus. Das Gespräch hinterließ den Eindruck, dass zur freien Forschung auch viel Geld benötigt wird, wenn man das Ministerium nicht in Anspruch nehmen will. Denn dieses schreibt Forschungsprojekte aus, unter anderem auch die, unserer Auffassung nach, höchst umstrittene Genderforschung, umschrieben mit dem Titel “Frauen in Bildung und Forschung”. Nun ja, auch die Inklusion kommt aus diesem Haus – und da sage noch einer, Forschung und Wissenschaft seien frei in diesem Land, zumal selbst merkwürdige Ergebnisse in den Alltag aufgenommen werden müssen. Betonung liegt auf MÜSSEN.

Einer der beeindruckenden Höhepunkte war die Führung durch den einstigen Amtssitz von Erich Mielke in Berlin-Lichtenberg. Das Stasimuseum in Berlin, Normannenstraße, mit 111 Kilometer Akten, mit ca. 10,6 Millionen Euro saniert und 2012 eröffnet. Allein die Ausführungen des Rundführers Thomas Lukow wären die Reise wert gewesen. Der Mann hat alles live erlebt, arbeitet heute freier denn je, besaß eine überzeugende Rhetorik und gebündeltes Fachwissen. Anders kann man das nicht sagen. Thomas Lukow, 59, wuchs in Ostberlin auf, machte Musik und verliebte sich in eine Israelin, die aus West-Berlin in den Osten kam. Später wurde sie nicht mehr rein gelassen, der junge Lukow stand unter Beobachtung. Also versuchte er über Prag abzuhauen und landete dank zahlreicher Spitzel im Stasiknast. 20 Monate lang, dann verkauften sie ihn an die BRD. Er hat alles erlebt. Es sitzt tief. Thomas Lukow, freiberuflicher Referent für politische Bildungsarbeit und selbst Opfer des SED-Regimes, macht die fehlende Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit sowie das mangelhafte Wissen über die tatsächlichen Verhältnisse „hinter der Mauer“ mit dafür verantwortlich, dass linke populistische Vorstellungen und linksextremistische Bestrebungen auch im Westen verstärkt auf fruchtbaren Boden fallen und somit tatsächlich eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für unsere Demokratie darstellen. Bei seinen europaweiten Vorträgen betont er immer wieder, daß seine Zuhörer im wahren Leben den Verstand einschalten sollen, damit nicht auch hierzulande ein Unrechtsregime an die Macht kommt. Da hatte er uns voll auf seiner Seite. So endete der Abend mit vielen Eindrücken, Entspannung fanden wir auf einer Spreefahrt, auf der auch alles klappte.

Am Dienstag, 10. Juli, standen vor der Heimreise zwei Besichtigungen auf dem Programm. Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ist durchaus sehenswert und geschichtlich von großer Bedeutung. Zur Erinnerung: Rund vier Millionen Menschen flüchteten zwischen 1949 und 1990 aus der DDR, 1,35 Millionen über das 1953 gegründete Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde. Doch die deutliche Ablehnung der AfD durch die Museumsführerin führte zu Verstimmungen auf beiden Seiten. Bedauerlich, aber konsequent. Einige unserer Gruppe verweigerten sich, weiter an der Führung teilzunehmen. Marcus Bühl beschwerte sich. Heute betreibt der Internationale Bund e.V. seit 2010 ein Übergangswohnheim für Flüchtlinge und Asylsuchende. Im Lager befinden sich zirka 700 Menschen aus 24 Ländern. Das einstige Notaufnahmelager wird vom Internationale Bund e.V. betrieben.

Nach dem leckeren Drei-Gänge-Menü in der bayerischen „Maria & Josef“ Gaststätte ging es noch zum Olympiastadion Berlin. Dort erlebten die Teilnehmer eine höchst interessante Führung, geteilt in zwei Gruppen. Kurze Info aus der Geschichte: 1912 wurden die Olympischen Spiele 1916 nach Berlin vergeben. Das erste Stadion wurde am 8. Juni 1913 zum 25-jährigen Thronjubiläum Kaiser Wilhelms II. eingeweiht. Durch den Ersten Weltkrieg fanden die Olympischen Spiele 1916 nicht statt. Erst mit der 1931 erfolgten Vergabe der XI. Olympischen Sommerspiele an Deutschland rückte der Umbau des Stadiums wieder in die Berliner Planungen. Im Oktober 1933 ordnete Reichskanzler Adolf Hitler den Bau eines neuen Großstadions an gleicher Stelle an und beauftragte den bisher zuständigen Architekten Werner March mit den Planungen. Hitler besuchte im Oktober 1934 die Baustelle und genehmigte March’s Entwurf. Weiter erklärte Hitler den Bau nun zur Reichssache und reduzierte die Rolle der bisher zuständigen Stadt Berlin aus den Olympiaplanungen. Das olympische Bauvorhaben wurde das erste von Hitlers Großbau-Projekten. Durch die Ausweitung der vorhandenen Planung stiegen die Ausgaben von den ursprünglich kalkulierten 5,5 Millionen auf 42 Millionen Reichsmark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 184 Millionen Euro).
Das Stadion wurde am 1. August 1936 anlässlich der XI. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Heute dient das Stadion größtenteils Hertha BSC und künstlerischen Großveranstaltungen. Das olympische Freibad dämmert vor sich hin. Dringend sanierungsbedürftig, da noch immer genutzt, fehlt dem Senat das Geld. Kein Wunder bei einer Verschuldung von derzeit ca. 59 Milliarden Euro!

Kurzum: Eine großartige, nachdenklich machende, interessante und geschichtsträchtige Reise. Dank gebührt dem Bundespresseamt, den zahlreichen Gastronomen, der Reisebegleitung, den Museumsführern, dem Team von Marcus Bühl (Kerstin Schmalz, Sabine Grothe, Lifia Glock) für die Organisation, dem RBA und natürlich auch dem Berliner Büroleiter von Marcus Bühl, Dirk Czaja, der ebenfalls aktiv in die Organisation eingebunden war.

Text und Bild: Hans-Joachim König